Wenn es um Grenzen setzen & Freiraum für Kinder geht, gehen die Meinungen weit auseinander. Sie reichen von ganz klaren festen Strukturen bis zu „du kannst alles machen, was du willst“. Ich glaube, Kinder brauchen sowohl viel Freiheit, um sich natürlich entfalten zu können, als auch Grenzen. Mit Grenzen meine ich hier keine festen Regeln oder Verbote, sondern vielmehr eine Richtlinie. Ich erinnere das Kind an seine eigene Weisheit, die durch alltägliche Eindrücke und Einflüsse schnell überlagert wird.

.
Freiheit

Kinder wollen Raum in dem sie sich ausprobieren und ihren Neigungen nachgehen können. Zeiten, in denen sie wählen dürfen. Lassen wir Kinder wählen, lernen sie ganz natürlich ihrem Herz zu folgen. Die meisten Kinder wissen noch ganz genau was sie brauchen, sie sind mit ihrer innersten Weisheit verbunden. So wird das eine Kind kein Fleisch essen wollen, das nächste sich gerne bewegen oder malen und ein Drittes ist ganz verrückt nach Musik.

Wir dürfen hier sehr achtsam sein, dass wir Kindern nicht zu starre Strukturen, wie z.B. Stundenpläne, oder unsere Lebensweisen überstülpen. Daraus gehen oft junge Erwachsene hervor, die keinen Bock mehr haben und weder wissen was sie wollen noch wer sie sind. Sie sind abgestumpft und haben keine Verbindung mehr zu sich.

Oft glauben wir, Kinder „erziehen“ zu müssen, „damit etwas aus ihnen wird“, dabei sind Kinder schon vollkommen, so wie sie sind. Sie brauchen nur Raum, um das was sie mitbringen, entfalten zu können und bewusste Vertrauenspersonen, die sie mit sich in Kontakt bringen.
.
Also ist Grenzen setzen überflüssig?

Ein Beispiel dazu aus dem Schülerhort:

Ich sehe einen Jungen, wie er mit erhobener Schere einem anderen Jungen hinterher rennt. Da ich Ersteren als impulsiv wahrnehme und nicht weiß, wie gut er Grenzen einschätzen kann, brülle ich laut „STOPP!“ Ich nehme ihn beiseite und erkläre ihm ehrlich den Grund für meine laute Intervention, dass ich Sorge hatte, er könnte jemanden verletzen usw..
.
Wie setze ich authentisch Grenzen?

Ich unterscheide ganz einfach zwischen zwei Arten von Grenzen. Authentische und Nicht-Authentische. Erstere sind kraftvoll, von Liebe getragen und machen für mich selbst Sinn. Siehe das Beispiel oben. Letztere sind oft der verzweifelte Versuch alles unter Kontrolle zu behalten, eine bloße Machtdemonstration und machen bei näherem Hinschauen keinen tiefen Sinn.

Ignorieren Kinder oder Jugendliche deine Grenzen immer wieder, kann es ein Anzeichen sein, dass du nicht authentisch bist. Sie können deine Grenzen nicht spüren, weil sie nicht deiner Wahrheit entsprechen und deswegen keine Kraft haben. So bist du jedes Mal aufgefordert deine innere Klarheit zu finden.

Bist du klar mit dir und weißt was Du willst, spüren Kinder das sofort und vertrauen dir und deiner Führung.
.
Selbsterforschung:

1. Macht die Grenze die du dem Kind setzt für dich Sinn? Warum setzt du sie?

2. Wenn du das Kind wärst, würdest du die Grenze verstehen und akzeptieren?

3. Fühlst du dich nach kleinen Auseinandersetzungen mit Kindern ausgelaugt oder hat sich dein Herz verschlossen? Zweifelst du an dem was du gesagt hast?

Entspricht die Grenze deiner Wahrheit, bleibt dein Herz geöffnet und du spürst keinen Zweifel.

Foto: flickr.com